zurück zur Übersicht

Die Ideen

Die Ideenvideos

Einen Aufruf zu starten und alle fragen um viele Ideen zu bekommen, klingt nach einem guten Plan. Doch wie erreicht man die Menschen vor Ort, die sich interessieren und engagieren ? Wie erreicht man diejenigen, die in den Kirchen aktiv sind und die Problematik Tag für Tag buchstäblich vor Augen haben? Wie erreicht man diejenigen, die Situation wie Gebäude kennen und damit die eigentlichen Experten sind, aber Ihre Ideen noch nicht gedacht und noch nie ausgesprochen haben? Die Antwort war einfach: Schreiben, hinfahren, zusammensetzen und reden. Die ersten Gespräche bestätigten die anfängliche Hoffnung: Das Thema ist von großem Interesse. Jeder hat eine Meinung und auch eine Vorstellung davon, wie man mit solch ehrwürdigen Orten in prekärer Lage umgehen kann und soll. Es war uns allerdings wichtig möglichst unterschiedliche Ideengeber anzusprechen: vom Kind bis zum Greis, vom Künstler aus der Großstadt bis zum Imker aus dem Nachbarort, vom Atheisten bis zum Gemeindemitglied, denn das hat der Prozess gelehrt: „Kirchen und vor allem ihr langsames Verschwinden bewegen mehr als nur das letzte Dutzend regelmäßiger Kirchgänger.“ –Kira Soltani Schirazi // Architektin // chezweitz

Denn das Kirchgebäude ist oft das bauliche Zentrum des Dorfes und mehr als Stein. Das Kirchgebäude erzeugt Erinnerungen, dadurch stiftet es Identität und es richtet oftmals den Blick auf die Zukunft bis in den Tod hinein.

Die fast einjährigen Findungsphase für Ideen und führte zu einem überraschenden Resultat. Schon nach ein paar Wochen füllten zahlreiche eingereichte Ideenvideos aus aller Welt von Student_Innen, Künster_Innen und Interessierten die Post- und Emailfächer des Teams rund um das Querdenker-Projekt. Sie alle begriffen den Wert der Kirchen als Möglichkeitsräume und aktivieren erkannten das große Potenzial.

Doch wo blieben die Ideen der Gemeinden, ihrer Pfarrer und Kirchbauvereinen, die seit Jahren um den Erhalt ihrer teilweise maroden, oft leerstehenden Sakralräume kämpfen? Eigeninitiative war gefragt. In mehrtägigen Exkursionen durch die kulturträchtige Thüringer Dorf- und Stadtlandschaft, wurden Gemeindemitglieder spontan befragt, mit Salzgurken und Mettbrötchen Workshops durchgeführt und während den zahlreichen kreativen Unterhaltungen die Ideen auf Film gebannt.

147 Ideenvideos sind so entstanden und bildeten von nun an das Fundament aller weiteren Schritte im Projektprozess. Dieser Ideenpool ist alles andere als homogen. Seine Ideen variieren stark: Von kleinen partiellen Veränderungen im Kirchraum, beispielsweise dem Einbau einer kleinen Bücherecke neben der Kollekte bis hin zur Installation eines Schwimmbeckens, dort, wo früher Kirchenbänke ihren altehrwürdigen Platz besaßen, inklusive Wellnessbereich und Saunalandschaft auf den Emporen; jede Neugestaltung schien erdenklich.

Auf der anderen Seite zeigte sich in all den kleinen Collagen, Interviews und Dokumentationen der Ideengeber, dass die Kirche als genius loci, als spiritueller Ort, weiterhin respektiert und für die Zukunft bewahrt werden soll. Was wiederum nicht ausschließt, dass neben dem Altar auch gerne mal getanzt werden darf!

Am Ende des Querdenker-Projektes wird dieser Fundus der Ideenvideos nun veröffentlicht, für jede_n zugänglich und online archiviert. Nach der Ausstellung in der Erfurter Kaufmannkirche tritt die Gemeinde erneut vor ein breites Publikum und verkündet die Botschaft des Glaubens an einen Wandel im vakanten Kirchenraum. Inspiration gratis!

Bildschirmfoto 2018-01-19 um 11.15.41.png